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Was war damals anders als heute in Sachen Energie und Klimaschutz?

26.10.2018, Kassel: Ein Interview mit Franz Alt, Journalist und Autor

Dieses Jahr feierten Sie Ihren 80. Geburtstag. Wie haben sich Ihrem Empfinden nach die Themen Klimaschutz und Energiewende in den letzten Jahrzenten entwickelt? War es in Ihrer Kindheit schon ein präsentes Thema?
Vor 80 Jahren waren die Themen Klimaschutz und Energiewende keine präsenten Themen. Während und nach dem Weltkrieg hatten wir andere Sorgen. Allerdings hat der Klimawandel damals schon begonnen. Durch das Industriezeitalter in den letzten 200 Jahren wurde Kohle, Gas, Erdöl und Atomkraft gefördert. Erst in den 80er Jahren entstand das Bewusstsein dafür, dass dieses Verhalten dem Klima schadet und unseren Planeten ruiniert. Bereits seit 100 Jahren wissen wir, dass die uns die Sonne 15.000 mal mehr Energie schickt als zurzeit alle 7.6 Milliarden verbrauchen - hinzu kommen die  Wind-, Wasser- und Bioenergie. Die hundertprozentige Energiewende ist technisch in 20 Jahren machbar. Aber es fehlt zurzeit in Berlin am politischen Willen. Albert Einstein hat den Nobelpreis für die Erklärung des photovoltaischen Effekts bekommen. Insofern hätten wir schon früher auf Solarenergie umsteigen können – sind wir aber nicht.


Sie gelten als Pionier und Treiber der Energiewende. Wann haben Sie sich erstmalig mit der Thematik auseinandergesetzt? Gab es hierfür einen ausschlaggebenden Grund in Ihrem Leben?
Der ausschlaggebende Grund war Tschernobyl. Bis 1986 war ich braves CDU-Mitglied und Anhänger der Atomenergie, weil ich den Fachleuten geglaubt habe, dass nichts passieren kann – und dann ist die Katastrophe in Tschernobyl passiert. Heute wissen wir, dass es  kein einziges zu hundert Prozent sicheres Atomkraftwerk auf der ganzen Welt gibt. Nach anfänglichen Protesten gegen die Atomenergie in meinen Fernsehsendungen habe ich erkannt: Es reicht nicht, immer zu zeigen wogegen du bist, sondern wofür Du bist – also für die erneuerbaren Energien. Es gibt immer Alternativen und wir müssen lernfähig für das Neue bleiben und werden. Wir sollten unsere Kraft nicht in das Vergangene investieren, sondern müssen Sie in das Neue stecken. Nur so können wir Veränderungen zu Gunsten der Umwelt erzielen und die Energiewende vorantreiben.


Was ist Ihre Motivation Energie für den Wandel einzubringen?
Mein Lebensmotto ist: Die Sonne gewinnt. Das Solarzeitalter beginnt. Sonne ist beinahe ewig, ebenso die Windkraft, die Wasserkraft und die Bioenergie. Ich habe Kinder und Enkelkinder. Auch künftige Generationen sollen auf diesem Planeten ein gutes Leben führen und kein Kind soll verhungern! Den Hunger können wir nur mit einer zukünftigen Energieversorgung besiegen. Afrika und die Sonne – welch eine große Chance! Wir können in Afrika Solarstrom für etwa zwei Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Das ist unsere Verantwortung für die Welt und die Verantwortung für die Menschheit. Es ist schöpfungswidrig mit Kernenergie zu arbeiten. Die Lösung steht am Himmel – die Welt ist voller Sonnenenergie.


Was sollten aus Ihrer Sicht Kommunen und Landkreise als Erstes tun, um den Schritt Richtung Wandel zu gehen?
Jedes Dorf, jede Stadt kann seine eigene Energieversorgung dezentral aufbauen. Die Sonne scheint auf jedes Dach. Sonne ist kostenlos und sie schickt uns keine Rechnung. Bürgermeister, Landräte und Kommunalpolitiker sind Träger und Treiber der Energiewende. Sie müssen aktiv werden, denn Energiewende geht nur von unten, dezentral.


Was wünschen Sie sich für die nachfolgenden Generationen?
Ich hoffe, dass ich noch die 100% erneuerbare Energiewende erlebe. Dafür haben wir noch ein Zeitfenster von vielleicht 20 Jahren. Wir müssen längerfristig denken – seit dem Jahr 2.000 haben wir weltweit den Solarstrom bereits verhundertfacht und den Windstrom versiebzehnfacht. Ich bin für Vorträge bis zum Jahr 2028 gebucht und nutze meine Energie für Referententätigkeiten, Bücher und Fernsehsendungen auf dem Internet-TV-Sender „Transparenz TV“ jeden Montag um 20.30 Uhr, wo ich Themen zur Energiewende moderiere. 

Ich weiß freilich auch: Jeder Tag kann der letzte sein, aber an jedem Tag, an dem ich nicht sterbe, kann ich etwas tun. Seit 25 Jahren haben wir zwei Solaranlagen auf dem Dach – eine für Strom und eine für Wärme. Im Sommer produzieren wir dreimal so viel Strom wie wir selbst verbrauchen. Wir essen wenig Fleisch, ernähren uns fast vegetarisch und ich fahre seit 10 Jahren nur mit der Bahn. Das geht alles ohne Verzicht. Es ist im Gegenteil ein Gewinn. Deshalb habe ich jetzt zu meinem 80. Geburtstag das Buch geschrieben „Lust auf Zukunft – Wie unserer Gesellschaft die Wende gelingen wird.“
 

Das Interview führte Diana Thiel
 

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